//Die ARD und ihre Brexit-Fantasien

Die ARD und ihre Brexit-Fantasien

Relotius-Medien auf Steuerzahlerkosten, Brexit-Bashing für Dummies: Die ARD Tagesthemen und die schlimmen, schlimmen Konsequenzen des Brexit.

Die GEZ-gefütterte ARD gibt in den Tagesthemen vorgestern – 26.02.19 – den regierungsbeauftragten Brexit-Muezzin: Der Brexit führt Großbritannien, Europa und vermutlich die ganze Welt in den wirtschaftlichen Untergang. Leider haben es die Relotius-Beauftragten des Staatsfernsehens mit ihrer Fantasie etwa übertrieben. Besser gesagt: Die Lügen waren zu plump. Jeder mündige Bürger mit Internetanschluß kann die Unwahrheit des Berichts herausfinden.

Mit Leichtigkeit kann man den Bericht mit ein paar Klicks in den Relotius schicken:

Zum Aufwärmen beginnt der Videobericht der Tagesthemen mit einer mutigen These:

“Seit Mays Brexit-Poker aber kennt das fieberhafte Treiben vieler Branchen nur noch eine Richtung: Nach Osten, Richtung Europa”

Puh. Das ist erstmal eine Nachricht. Armes England, wenn die Unternehmen “fieberhaft” nach Europa wollen. Im Bild gegen die Kamera strömende Bürger. Fehlt gerade noch, dass uns das ARD weismachen möchte, dass die 30.000 Flüchtlinge, die weiterhin monatlich nach Deutschland ziehen zu einem Großteil englische Unternehmer sind.

“Wie viele Jobs von hier schon in die EU verschoben wurden, will niemand im Detail offenlegen”. Mindestens 7.000 Arbeitsplätze seien aber schon weg. Von “offiziell 183.540 im Finanzsektor beschäftigten” Menschen.

Seltsame Zahlenspiele. Die Zahl der im Finanzsektor in London Beschäftigten wird bei businessinsider.com mit 729.000 angegeben, und von der Regierung Londons mit 509.382. Keine Ahnung was die “offizielle” Informationsquelle des ARD ist, aber der Unterschied ist gewaltig. Nach ARD wären es 3,8 Prozent Arbeitsplatzverlagerungen und nach den Zahlen der City of London wären es 1,4 Prozent. Unter der Prämisse, dass die 7.000 überhaupt stimmen. Bei Reuters war noch im September nachzulesen, dass die “erwarteten massenhaften Verlagerungen von Jobs in der Finanzbranche bislang ausgeblieben” sind. Es wird die Zahl 630 genannt.

Und dann kommt ein Einzelschicksal als Beweis. “Einer, der schon im Sommer nach Deutschland umgezogen ist, ist der Deutsche Jürgen Feil. Mitgenommen hat der den Zinshandel seiner europäischen Kunden.”

Seine Kunden? Die Sprecherin vergisst zu erwähnen, dass Herr Feil ein Angestellter der Deutschen Bank ist.

Erschwerend kommt ein Artikel aus dem Handelsblatt hinzu: Dort hat selbiger Jürgen Feil am 04.06.2018 erklärt:

„Als ich das Angebot bekam, wieder nach Deutschland zurückzugehen, hat die Familie nicht lange überlegen müssen“, erzählt Feil. Die Lebensqualität habe den Ausschlag gegeben. „Dazu gehören Dinge wie die ärztliche Versorgung. Im Notfall kann ich hier schnell und unkompliziert mit meiner Tochter zum Arzt, während wir in London erst einmal längere Fragebögen am Telefon beantworten mussten, bevor wir einen Termin in der Notaufnahme bekamen.“

Das klingt jetzt nicht wirklich nach Brexit-Flucht.

 

2019-02-28T16:31:07+00:0028 Februar, 2019|Kategorien: EU|Tags: , , , |

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